Es summt immer seltener.
Warum wir die Artenvielfalt erhalten müssen.

Weltweit geht die Zahl der Insekten zurück, aber auch Singvögel werden immer seltener. 28 Prozent aller Tierarten in Europa sind aktuell vom Aussterben bedroht, 75 Prozent der Insekten sind in den letzten 25 Jahren verschwunden. Das hat dramatische Auswirkungen: Viele Amphibien, Vögel und Fledermäuse sind auf Insekten angewiesen, so dass auch diese Arten stark zurückgehen oder vom Aussterben bedroht sind; außerdem sind die meisten Wild- und Nutzpflanzen auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen.

Als Grund für den Rückgang wird neben dem Klimawandel, der natürlich auch Auswirkungen auf die Vegetation hat, vor allem das Verschwinden der natürlichen Lebensräume genannt, außerdem der Einsatz von Pestiziden, die industrielle Landwirtschaft mit ihren Monokulturen und das immer weitergehende Versiegeln von Flächen.

Noch aber ist es nicht zu spät. Wenn wir das Artensterben aufhalten wollen, müssen wir jetzt entschieden handeln. Es gibt viele Möglichkeiten, etwas zu tun, vom „Insektenhotel“ im eigenen Garten bis zur Agrarpolitik in Brüssel. Was zählt, ist die Bereitschaft, sich für Naturschutz und Artenvielfalt einzusetzen.

Was können wir tun?

So groß das Problem auch scheint, jeder kann in seiner unmittelbaren Umgebung etwas für den Artenschutz tun. Zum Beispiel in seinem Garten – die Fläche aller Privatgärten in Deutschland ist zusammengenommen ungefähr so groß, wie die Fläche aller Naturschutzgebiete! Es lohnt sich also, Artenschutz im Kleinen zu betreiben. Man kann zum Beispiel seltener mähen, weniger Gift einsetzen, naturnahe Blumen und Kräuter verwenden, seine Einstellung zum „Unkraut“ überdenken oder Winterquartiere für Insekten anlegen.

Man kann aber auch Kommunalpolitiker ermuntern, neue Grünstreifen anzulegen oder bestehende seltener zu mähen. Man kann Totholz und Gestrüpp länger auf Brachflächen oder im Wald liegenlassen. Man kann als Konsument im Supermarkt darüber abstimmen, ob mehr Billigfleisch und Fertigprodukte in die Auslage kommen oder mehr Produkte aus nachhaltiger Landwirtschaft. Man kann andere Menschen für das Thema sensibilisieren. Was immer man tut – es ist ein wichtiger Schritt und hilft der Umwelt.

Wiese statt Gras

Wer seinen Rasen seltener mäht, der gibt wichtigen Wirtspflanzen wie Klee und Löwenzahn die Gelegenheit, Blüten zu treiben. Eine solche naturnahe Wiese ist ein Eldorado für viele Insekten.

Pflanzen statt Steine

Moderne Gärten aus Beton, Naturstein oder Kieseln sind für Insekten völlig wertlos. Natürlicher Pflanzenwuchs dagegen hilft den Insekten und gibt ihnen einen Lebensraum, selbst wenn die grüne Fläche noch so klein ist.

Natur statt Zucht

Viele Blumen sind so überzüchtet, dass die Insekten den Nektar oder die Pollen in ihren Blüten nicht mehr erreichen können. Deshalb ist es besser, natürliche Sorten zu säen.

Regional statt Import

Wer Obst und Gemüse aus der Region kauft (möglichst ökologisch erzeugt), unterstützt damit eine naturnahe Flächennutzung, die für unsere heimischen Insekten Schutz und Nahrung bedeutet.

Chaos statt Ordnung

Holzstapel, Gestrüpp und Tümpel bieten Insekten weit mehr Lebensräume, als Vorzeigegärten und akkurate Grünflächen. Auch andere Tiere freuen sich über solche Rückzugsräume.

Säen statt ärgern

Blumensamen können Verkehrsinseln und Seitenstreifen in Oasen für Insekten verwandeln. Eine Nachfrage bei den Verantwortlichen vor Ort kann hier vielleicht ein guter Anstoß sein.

Nützlinge oder Schädlinge?

Fliegen, Stechmücken oder Ameisen sind für die meisten Menschen eher lästiges Ungeziefer. Wenn man vielleicht von Bienen oder Hummeln und Marienkäfern einmal absieht, lösen die meisten Krabbeltiere viel eher Angst oder Ablehnung aus, als Interesse und Hilfsbereitschaft. Dabei sind Insekten für das Gleichgewicht der Natur unerlässlich und spielen in unserem Ökosysten eine enorm wichtige Rolle. Sie tragen entscheidend zur Vermehrung von Pflanzen bei wie zur Fruchtbarkeit des Bodens.

Zu den wichtigen Bestäubern zählen allein 20.000 verschiedene Arten von Wildbienen, aber auch viele Schmetterlingsarten, Fliegen, Motten, Käfer und Wespen. Würden die bestäubenden Insekten komplett verschwinden, so würde es weltweit große Ernteausfälle geben, bei manchen Nutzpflanzen bis zu 90 Prozent. Im Ökosystem Wald werden rund 80 Prozent aller Bäume und Sträucher von Insekten bestäubt. Bei einem weiteren Rückgang könnten in der Land- und Forstwirtschaft bis zu einer halben Billion Euro an Ertragsverlusten drohen, fast alle Lebensmittel würden teurer werden. Es ist also keine Frage, ob die kleinen Krabbeltiere eher nützlich oder schädlich sind.

Heimische Gräser und Wildblumen

Die meisten Insekten sind auf bestimmte Pflanzen angewiesen, die in jener Region heimisch sind, in der auch die Insekten leben. Insekten und Wirtspflanzen sind aneinander angepasst und die Larven sind auf die Futterpflanzen angewiesen. Moderne landwirtschaftliche Wiesen bestehen aber in der Regel nur noch aus wenigen Gräsern und einigen Doldenblütlern, sie bieten den meisten Insekten kaum noch genug Nahrung.

Eine Insektenschutzwiese oder ein naturnaher Garten kann diesen Verlust zum Teil ausgleichen. Dabei ist die Wahl des Saatgutes sehr wichtig: Die Samen sollten von heimischen Wiesen und heimischen Pflanzen stammen, am besten aus der Region, in der angesät werden soll. Typische Arten in einer mitteleuropäischen Blumenwiese sind zum Beispiel Schlüsselblume, Wiesenschaumkraut, Heidenelke, Gänseblümchen oder Labkraut. Die Wildblumenwiese gedeiht auf allen sonnigen Plätzen in mäßig nährstoffreichen (mageren) und nicht zu feuchten Böden. Gemäht wird in der Regel Ende Juni oder Anfang Juli und dann noch ein zweites Mal kurz vor dem ersten Frost.